Eine Woche nichts auf morgen verschieben - So verlief der Selbstversuch [Anders als gedacht - dafür lebensverändernd]

Freitag, März 04, 2016


Der Selbstversuch lief ganz anders als ich vermutet hatte. Vieles hat nicht geklappt, mich dafür aber auf eine andere Art sehr bereichert. Der Selbstversuch hat mich total entspannt und mir die Augen geöffnet. Ich würde sogar sagen, es war ein kleines bisschen "lebensverändernd".

Aber lest es selbst in meinem Tagebuch:

Montag - Ich erledige Dinge Schlag auf Schlag

Die Idee kam mir beim Aufstehen. Diese Woche werde ich nichts mehr aufschieben. Aufschieben ist so etwas wie mein zweiter Vorname. Erschreckend. Heute früh beginne ich also erst einmal alles aufzuräumen was sich im vorbeigehen aufräumen lässt. Rumstehende Gläser von gestern Abend, Bücher, Stifte, die Stiefel, die ich gestern trug. Außerdem habe ich das Frühstücksgeschirr sofort abgewaschen. All das hat mich weniger als 5 Minuten Zeit gekostet.

Als nächstes stehen ein paar wichtigere Dinge an. Anstatt mich heute durch die halbe Stadt zu quälen, habe ich kurzerhand einen Umzugskarton online bestellt. Das wollte ich bereits am Samstag erledigen, aber ich habe es mal wieder aufgeschoben. Warum auch immer. Nun gut, der Karton ist bestellt und zudem habe ich online Infos gefunden, bei denen ich bislang geglaubt habe sie erst durch einen Amtsbesuch ausfindig zu machen. Der Morgen war also sehr produktiv.

Als nächstes möchte ich gerne meinen selbstgeschmiedeten Wochenplan mit der Internetwelt teilen. Also schreibe ich kurzerhand diesen Blogpost für euch. Veröffentliche ihn und teile ihn gleich bei den einschlägigen Social Media Kanälen. Wo ich gerade dabei bin, verlinke ich meine letzten Blogartikel gleich bei Pinterest. Da war ich in letzter Zeit etwas schlampig. Meine Blogsidebar wird gleich mit aktualisiert. Leider dauert das ganze doch etwas länger als zunächst gedacht. Aber immerhin ist es jetzt erledigt. Jetzt mach ich mir erstmal eine To Do Liste für heute. Da kommt alles rauf was ich heute erledigen könnte. Mal sehen ob es klappt.

In der Mittagspause habe ich ganz spontan eine Lebensliste angefangen. Darauf kommen alle Dinge die ich schon immer mal probieren wollte. Ein Punkt auf der Liste: Skateboard fahren. Also hab ich spontan bei Ebay Kleinanzeigen nach Skateboards gesucht und eine Anfrage gestellt. Fühlt sich gut an mal so spontan die "wichtigen" Dinge des Lebens anzugehen.

Am Abend erinnere ich mich an die ganzen Tüten und Kartons, die verstreut in der Wohnung liegen. Ich schnappe mir alles was in den Keller gehört und bringe es dorthin bevor ich mich zum Sport aufmache. Zum Sport nehme ich eine große Tasche, die meiner Mutter gehört, mit. Darin befinden sich tausenden Kleinigkeiten, die ihr ebenfalls gehören und die ich ihr schon immer mal wieder mitbringen wollte. Unglücklicherweise befinden sich in der Tasche auch Lederhandschuhe nach denen sie mich bereits gefragt hat. Ich konnte mich nur nicht mehr erinnern, dass sie bei mir lagen. Daher hat sie sich am Wochenende kurzerhand neue gekauft. Jetzt hoffe ich mal, sie kann sie wieder zurückbringen.

Nach dem Sport kletter ich noch einmal den Keller hinab. Ich möchte gerne einen Fußtritt mit nach oben nehmen, damit ich besser am Schreibtisch sitzen kann. Daran denke ich schon seit Monaten. Leider nur immer dann, wenn ich gerade am Schreibtisch sitze. Verlasse ich ihn scheint eine Spontandemenz einzusetzen, die komischerweise nur das Thema Fußtritt und Schreibtisch beinhaltet. Obwohl ich weiß, dass er irgendwo dort sein muss, kann ich ihn nicht finden. Unser Keller ist aber auch einfach viel zu vollgestopft. Nicht unbedingt mit Plunder der eh weg kann, sondern mit Fahrrädern, Inlineskates, Schlittschuhen, Massageliege, Backpacker Ruckzack, Campingstühlen für Festivals und vieles mehr was nicht so oft genutzt wird. Entweder sind unsere Hobbies zu groß oder unser Keller ist zu klein. Eins ist mir jetzt allerdings klar, der Keller braucht dringend ein Organisationssystem.

Vor dem schlafen gehen werde ich schlussig und beschließe mich im Halbschlaf nicht mehr igrendwelchen Pflichten hinzugeben. Eigentlich wollte ich noch das Bett neu beziehen und bei der Gelegenheit gleich das Lattenrost drehen. Das hat nämlich einen Knacks abbekommen, genau dort wo mein Kopf liegt. Seitdem bilde ich mir ein davon Nackenschmerzen zu haben. Aber heute kann ich einfach nicht mehr und verschiebe diese Aufgabe einfach auf morgen.

Dienstag - Die To Do Liste

Der heutige Morgen ist nicht so produktiv wie der gestrige. Ich muss ja auch nicht alles sofort machen, denke ich mir. Hauptsache ich verschiebe es nicht auf morgen. Innerlich weiß ich natürlich, irgendwie ist das schon geschummelt. Denn morgen ist ja auch nur ein Zeitpunkt, der eigentlich heißt, ich mach es eben nicht jetzt sondern irgendwann. Mal sehen wie sich der Tag noch entwickelt. Jetzt schreibe ich mir erstmal eine To Do Liste.

Das mit dem Abarbeiten der To Do Liste funktioniert einigermaßen. Viele Griffe sind natürlich drin. Und so räume ich am Abend schon automatisch die Wohnung auf, schreibe fleißig E-Mails und setze immer weiter Dinge auf meine To Do Liste. Vor dem Einschlafen liege ich in meinem frischbezogenen Bett und bin ich zufrieden. Ich habe zwar nicht alle Dinge meiner To Do Liste abgearbeitet, dafür die übriggebliebenen von gestern.

Mittwoch - Warum mache ich das eigentlich?

Heute läuft so gar nichts. Mein eingeplantes Morgenritual funktioniert nicht. Ich habe einfach keine Lust mein Frühstücksbrett gleich abzuwaschen. Und bevor ich das Geschirr in die Spülmaschine stellen kann, müste ich diese erst einmal ausräumen. Doch darauf habe ich absolut keine Lust. Also lasse ich alles stehen. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht. Ich mach einfach die Küchentür hinter mir zu. Außer mir ist schließlich keiner hier und so kann ich den Stapel auch nicht mehr sehen. So langsam schleicht sich ein Gedanke ein, der mich in den nächsten Tagen nicht mehr los lassen wird: "Warum mache ich das eigentlich?". Zunächst finde ich darauf keine richtig befriedigende Antwort. Das wird einige Tage dauern. Mein erster Impuls: "Weil es sich gehört."

Den restlichen Tag gehen meine Gedanken und Gefühle weiter getrennte Wege. Während mein Kopf denkt, "ach, das musst du jetzt noch erledigen - ist ja schließlich Teil der Wochenaufgabe", stellt sich in meinem Herzen ein Gefühl von Gleichgültigkeit ein. Ich denke zwar ich müsste alle Dinge auf meiner To Do Liste abarbeiten, aber mein Körper macht nichts davon. Und das Beste daran, es stört mich überhaupt nicht. Ich habe zum ersten Mal seit Langem kein schlechtes Gewissen, weil ich etwas nicht geschafft habe.

Glücklich und zufrieden schlafe ich an diesem Tag ein.

Donnerstag - Die To Do Liste landet im Müll

Der Donnerstag verläuft ziemlich entspannt. Mein Kopf hat aufgehört mir Befehle zu geben und meine To Do Liste ist im Mülleimer gelandet. So ganz genau habe ich den To Do Listen Hype eh nicht nachvollziehen können. Ich habe ein hervorragendes Gedächtnis. Ich vergesse meine Aufgaben nicht. Von daher ist eine To Do Liste für mich eigentlich obsolet. In bestimmten Situationen nutze ich sie gerne um die Zeit besser einzuteilen. Beim Arbeiten zum Beispiel hilft es mir, alle Arbeitsschritte kurz zu notieren um so visuell besser einschätzen zu können wann ich was realisieren kann. Aber als reines Mahninstrument finde ich die To Do Liste für mich vollkommen überflüssig.

Freitag - Ich leiste genug!

Heute lerne ich etwas ganz besonderes über mich: Ich leiste genug. Lass mich ein bisschen ausholen um es genauer zu erklären. Während ich sonst durchs Leben renne und dies und das erledige, drei bis vier Mal die Woche Sport mache, den Haushalt wuppe (so eine schreckliche Aufgabe), hier regelmäßig schreibe, fotografiere, Vorlagen entwickle, ständig am Layout was verändere, meine sozialen Kanäle am Laufen halte (die ich übrigens nur im Rahmen des Blogs nutze - also semiprivat), Freunde, Familie und Fernbeziehung in mein Leben integriere und eigentlich immer zu allem "Ja" sage ("Gehen wir heute zum Sport?" - "Ja" - "Am Montag kommt meine neue Schrankwand, kannst du beim Aufbauen helfen?" - "Ja"), ist mir noch nie aufgefallen, dass das alles verdammt viel ist. Erst ein liebes Kompliment von einer Freundin (Hallo!) gibt mir zu denken. Erst da wird mir das alles bewusst. Es ist 20 Uhr, ich liege auf der Couch, der Fernseher läuft, das Essen steht vor mir und in meinem Kopf rattert es bereits wieder. Es will noch so viel heute erledigt werden. Blogposts wollte ich schreiben und noch ein bisschen was vorbereiten, einen Wochenplan erstellen und dann noch tausend andere kleinere und größere Dinge erledigen.

Das schlimme daran, ich habe bislang immer gedacht es wäre nicht genug. Andere machen das alles auch und zwar nebenbei. Und dann natürlich gleich viel besser.

Doch die Aussage "Du machst genug!" trifft mich tief ins Herz. Plötzlich sehe ich alles vor mir. Ja, es ist verdammt viel. Es macht Spaß. Und es ist eine ganze Menge. Mehr zu schaffen ist doch Schwachsinn. Immer mehr, mehr, mehr. Bislang war mir gar nicht so richtig bewusst, dass ich danach strebe. Es geht immer mehr und immer besser - ganz klar, aber muss ich das auch? Was ist eigentlich mein Anspruch? Wie viel ist machbar? Und ab wann ist es ausreichend? Wann zufriedenstellend? Wie viel muss ich eigentlich leisten um glücklich und erfolgreich zu sein?

Mit diesen Gedanken schiebe ich den Laptop von mir weg, das Handy gleich dazu, dafür die Fernbedienung näher ran. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal einfach so ferngesehen? Ohne etwas nebenbei zu machen? Das muss Ewigkeiten her sein. Es fühlt sich verdammt befreiend an.

Samstag und Sonntag - Vielleicht ist mehr Zeit das Erfolgsgeheimnis?

Das Wochenende über versuche ich für alle Aufgaben des täglichen Lebens meinen eigenen Anspruch ausfindig zu machen. Rumstehendes Geschirr stört mich genauso wenig wie ein Wäscheständer, der aufgeklappt im Schlafzimmer mein zweiter Kleiderschrank ist. Das ist vollkommen in Ordnung für mich. An der Haushaltsfront kann ich also entspannter sein. Für alle anderen Dinge nehme ich mir vor, mir einfach mehr Zeit zunehmen. Vielleicht war das auch der Gund weshalb ich manche Sachen so gerne aufgeschoben habe. Ich wollte sie einfach sofort vom Schreibtisch haben. Wenn das nicht ging, habe ich sie eben aufgeschoben statt mich mal ganz in Ruhe mit ihnen auseinander zu setzen. An diesem Wochenende halt ich immer mal wieder inne. Ich spüre wie sich mein Körper verspannt, wenn mein Aufgabenkarussell im Kopf mal wieder so schnell fährt, das es erst ab einer Körpergröße von 1,20 Meter benutzbar ist. Dann atme ich tief ein und versuche loszulassen. Interessanterweise spüre ich die Anspannung ganz besonders in den Zehen. Die sind dauerhaft angespannt und zusammengerollt. Ich versuche sie bewusst loszulassen. Es tut so gut.


Verrate mir, wie ergeht es dir? Hast du auch das Gefühl nie genug getan zu haben? Probier doch einen Tag mal deine To Do Liste links liegen zu lassen. Das tut so wahnsinnig gut!

Noch mehr eine Woche Projekte findest du übrigens hier.

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2 Kommentare

  1. Liebe Bibi
    Vielen Dank für deine lieben Worte auf meinem Blog. Da musste ich natürlich zu dir rüberhüpfen - und hab mich da mal durch deinen Blog geklickt. Gefällt mir supergut und finde ich ein super Thema - Happyness. Brauchen wir doch eigentlich alle mehr und ich finde es genial, dass du darüber schreibst. Und dann noch so offen und ehrlich - hach, da komme ich gerne wieder einmal zu Besuch bei dir =)
    Dein Experiment finde ich sehr interessant... Ich kenne das nur zu gut, das Gefühl, nie genug getan zu haben. Schön geht es auch anderen so ;-) Ich bin gespannt was du dir als nächstes einfallen lässt und hinterlasse dir viele liebe Grüsse
    Debby

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  2. Ich kenne dieses Gefühl leider auch ziemlich gut. Ich schreibe auch unnötigerweise Listen, dabei würde ich niemals vergessen, dass ich eigentlich noch die Küche aufräumen sollte und eigentlich ja erst dies und das machen sollte. Dein Text hat mir ein wenig die Augen geöffnet, dass selbst wenn ich alles gemacht hätte, es nie genug für mich wäre. Ich will versuchen nachgiebiger mit mir zu sein :)
    Ich finde übrigens die Wochenprojekte eine sehr schöne Idee!
    Liebe Grüße
    Jenna

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